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Lifestyle
08.06.2022
11.07.2022 07:36 Uhr

Weltmilchtag – Ist sie nun gesund oder nicht?

Bild: Adobe
An dieser Frage scheiden sich die Geister auch heute noch. Früher wurde die Milch als rundum gesundes Lebensmittel propagiert. In den letzten Jahren kam jedoch immer mehr Kritik an dieser Ansicht auf. So soll übermässiger Verzehr auch Risiken bergen. Wir klären auf.

Milch ist die erste Nahrung, die wir zu uns nehmen. Die Nährstoffreiche Milch der Mutter ist perfekt auf die Bedürfnisse des Neugeborenen abgestimmt. Als Erwachsene trinken wir die Muttermilch von anderen Säugetieren, womit wir Menschen einzigartig sind. Kein anderes Tier macht das. Woher kommt das? 

Erst vor etwa 7'500 Jahren haben die Menschen das Enzym Lactase entwickelt, um Milch überhaupt vertragen zu können. Menschen, die dieses nicht haben, sind laktoseintolerant. In Zeiten des grossen Hungers war Milch eine kalorien- und eiweissreiche Alternative. 

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1. Welche Inhaltsstoffe stecken in der Milch?

Milchprodukte enthalten viel Kalzium und essenzielle Aminosäuren (ein Liter Vollmilch deckt fast den ganzen Tagesbedarf an essenziellen Aminosäuren). Hinzu kommen wichtige Mineralstoffe und Vitamine.  Grossmutter sagte deshalb immer: «Gut für die Knochen!». Aber stimmt das auch?

2. Stärkt Milch die Knochen?

Laut der Stiftung Gesundheitswissen in Deutschland gibt es keinen Zusammenhang zwischen starken Knochen und hohem Milchkonsum. Weil Milch das Wachstum fördere und grössere Menschen ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche haben, fördert es das Risiko von Knochenbrüchen also noch. Bei Kindern und Jugendlichen sei die Evidenz nicht ganz so eindeutig, da sie in der Wachstumsphase einen höheren Nährstoffbedarf hätten. 

Zwar enthält Milch viel Calcium, dafür wenig Magnesium, das für die Knochengesundheit ebenso wichtig ist. zentrum-der-gesundheit.de empfiehlt daher, pflanzliche Mineralstoffquellen wie grünes Blattgemüse, Spital Tahin und Grünkohl. Gute Calcium-Lieferanten sind Mandelmilch, Hafermilch, Feldsalat, Pak Choi, Brennesselblattpulver, Moringapulver, Mohn, Sesam, Mikroalgen, Chiasamen, Wildpflanzen, Kräuter, Kresse, Haselnüsse, Kichererbsen und Broccoli. 

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3. Ist Kuhmilch schädigend?

Lange wurde Milch als uneingeschränkt gesundes Nahrungsmittel empfohlen, heute ist die Studienlage nicht mehr ganz so eindeutig. Naturwissenschaftlich gesehen ist Kuhmilch gesund, da sie nachweislich viele wertvolle Inhaltsstoffe enthält. Zudem scheint sie das Risiko für Bluthochdruck, Darmkrebs und Übergewicht geringfügig zu senken, wie Studien zeigen.

Trotzdem zeigt die Erfahrung, dass der Genuss von Kuhmilch mitunter Beschwerden verursacht. So wird Kuhmilch laut einer Studie des American Journal of Dermatology mit der Entstehung von Hautkrankheiten und Akne in Verbindung gebracht. Laut einer schwedischen Studie der Universität Uppsala führt zu viel Milchzucker zu chronischen Entzündungen, Immunschwäche und vorzeitigem Altern. Auch Prostata- und Eierstockkrebs soll es begünstigen.

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4. Wie viel Milch ist gesund?

Milch ist von Natur aus kein Erfrischungsgetränk für Erwachsene, sollte also nicht wie Wasser zum Durstlöschen getrunken werden. Wie bei allen Nahrungsmitteln kommt es auch hier auf das richtige Mass an. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, pro Tag nicht mehr als 250 Gramm Milch bzw. Milchprodukte und rund 50 bis 60 Gramm Käse zu essen.

5. Verschleimt Milch die Atemwege?

Dass es bei Erkältungskrankheiten mit verschleimten Atemwegen ratsam sei, auf Milchprodukte zu verzichten, ist ein Mythos. Nicht erforscht ist jedoch, wie Asthma und Bronchitis im Zusammenhang mit der Milch stehen. So berichten manche, dass sie leichter atmen, wenn sie ein Glas Milch trinken. Andere sagen, sie seien ihr Asthma losgeworden, seit sie auf Milchprodukte verzichteten. 

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6. Was bedeutet der Milchkonsum für Tiere und Umwelt?

Milchkonsum zieht natürlich immer auch die Frage des Tierschutzes nach sich. Die Kuh ist eine regelrechte Milchmaschine. Um Milch geben zu können, muss eine Kuh trächtig sein. In der Milchvieh-Haltung wird das Tier deshalb jedes Jahr besamt (in der Regel künstlich). Bereits sechs bis acht Wochen nach der Geburt ihres Kalbes wird die Kuh erneut besamt.

Der Euter einer modernen Industriekuh wiegt im Schnitt 40-50 Kilogramm, das sind 30 Kilogramm mehr als das einer «normalen» Kuh. Noch vor 100 Jahren produzierte eine Milchkuh etwa 10 Liter Milch, um den Bedarf ihrer Kälber zu decken. Heute muss eine gezüchtete Milchkuh ca. 40 bis 50 Liter pro Tag geben.

Und da ist da noch die Umweltbelastung: Die Herstellung von einem Liter Kuhmilch hat im globalen Durchschnitt den gleichen Einfluss auf unser Klima wie 2,4 kg Kohlendioxid. Das ist etwa die gleiche MengeTreibhausgase, die bei der Verbrennung eines Liters Benzin entstehen. 

6. Und jetzt?

Die Antwort bleibt unklar. Zwar enthält die Milch viele wichtige Nährstoffe, gleichzeitig birgt ein übermässiger Konsum Risiken. Die optimale Zufuhr hängt deshalb von der Ernährungsweise der einzelnen Person ab: Wer wenig Nährstoffe und Essen von geringer Qualität zu sich nimmt, für den kann Milch zu einer ausgeglicheneren Ernährungsweise beitragen. Wer sich hingegen vielfältig und mit hochwertigen Lebensmitteln ernährt, hat durch zusätzliche Milchprodukte wahrscheinlich keinen nennenswerten Mehrwert.

Insbesondere Menschen, welche an chronischen Krankheiten leiden, sollten versuchen, auch Milch zu verzichten. So berichten gemäss zentrum-der-gesundheit.de viele Patienten von einer Verbesserung ihrer gesundheitlichen Situation. 

Anouk Arbenz, Redaktion March24 und Höfe24