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Kanton
06.08.2022
08.08.2022 07:59 Uhr

Die Frauenfelder Volkshochschule gründet die Verbindung Humanitas

Die Gründungsmitglieder des Vereins und der Verbindung Humanitas mit Präsidentin Renata Riebli (links Aussen) blicken zuversichtlich in die Zukunft. Bild: PD
Eine zuerst nicht besonders ernstgemeinte „Bieridee“ der Mitglieder der Volkshochschule Frauenfeld fand erstaunlichen Anklang. Am 10. Juni 2022 wurde der Verein und die Verbindung "Humanitas" gegründet.

Nach dem Referat von Marion Preuss am 30. Juni 2020 an der Volkshochschule Frauenfeld (VHSF) wurde den Teilnehmern wie üblich die Gelegenheit geboten, sich mit der Referentin oder dem Referenten in einem nahegelegenen Restaurant oder einer Gartenwirtschaft zu treffen und auszutauschen. An diesem Juni Abend versammelte sich eine ansehnliche Anzahl Mitglieder der VHSF am Tisch von Marion Preuss und der Abend wurde ausserordentlich angeregt und gemütlich. Der Wunsch nach mehr solchen Abenden wurde mehrfach geäussert.   

„Dann gründen wir doch einfach eine Verbindung!“ Eine nicht besonders ernstgemeinte „Bieridee“, am 30. Juni 2020 in die Runde geworfen, fand erstaunlichen Anklang.  An der Mitgliederversammlung der VHSF vom 26. Oktober 2020 wurde die Idee der Gründung einer VHS-Verbindung erläutert. Diese soll den Vereinsmitgliedern Gelegenheit geben, die Identifikation und Verbundenheit innerhalb des Vereins zu pflegen und auszubauen. Die Verbindung soll geschlechtergemischt organisiert sein. Verschiedene weitere Anregungen der Mitglieder wurden aufgenommen und im Vorstand weiterverfolgt.

Nach der Pandemie ging alles schnell

Pandemiebedingt ruhte nicht nur der Schulbetrieb, sondern auch die Idee einer Verbindung. Mit Aufhebung der Covidbedingten Massnahmen kam Fahrt in das aussergewöhnliche Projekt. VHSF Präsident Albert Bargetzi (Skip) zusammen mit Rolf Dünki (Aristo), langjährige und erfahrene Mitglieder einer Verbindung, erarbeiteten die Statuten und den Farben- und Bier-Comment. Eine unschätzbare Arbeit, sieht es doch so aus, dass die Humanitas wohl die erste und noch einzige Volkshochschule Verbindung in der Schweiz, wenn nicht europa- und weltweit ist.

Am 10. Juni2022 konnte der Verein und die Verbindung Humanitas gegründet werden. Fast auf den Tag zwei Jahre nach der „Bieridee“ wurden die Statuten von zehn Gründungsmitglieder unterschrieben. Gleichzeitig erhielten die neuen Verbindungsmitglieder anlässlich einer feierlichen Taufe einen Vulgo. Der Betrieb des Vereins ist statutarisch geregelt. Der Vorstand besteht aus dem Präsidenten oder der Präsidentin und mindestens drei weiteren Mitgliedern. Der Verein steht in administrativen Angelegenheiten unter der Leitung des Vorstands und in Fragen des verbindungsmässigen Betriebs unter der Leitung des Seniorenrats.

Mitglieder des Vereins können natürliche Personen beiderlei Geschlechts werden, die gleichzeitig Mitglieder des Vereins „VHS Volkshochschule Frauenfeld“ sind. Mitglied ist, wer nach vorgängigem Durchlauf des „Anwärter-Statuts“ auf Antrag des Seniorenrats durch Beschluss des Mitgliederconvents und nach Bestehen der Taufe in den Kreis der Farbentragenden aufgenommen ist.

Und hier in den Infokasten noch mehr Hintergrundgeschichten:

 

 

Rolf Dünki v/o Aristo, Senior der Humanitas              

In Frauenfeld bestehen bereits drei Studentenverbindungen als Mittelschulverbindungen an der Kantonsschule Frauenfeld. Es sind dies die Thurgovia (Gründungsjahr 1862), die Concordia (1868) und die Licornia (Damenverbindung, Gründungsjahr 1992). Mit der Humanitas, welche allerdings nicht als Mittelschulverbindung konzipiert ist, kommt nun eine vierte Verbindung dazu.

Die Vereinsfarben einer Verbindung orientieren sich oft an den Farben des Wappens am Ort, wo diese ihren Sitz hat. Die Farben der Humanitas „rot – weiss – rot“ nehmen entsprechend Bezug auf die im Stadtwappen von Frauenfeld vorherrschenden Farben rot und weiss. Das Verbindungsband ist zudem auf beiden Seiten mit einem feinen goldfarbenen Faden umsäumt (Perkussion genannt), dies als Bezug zur goldenen Kette zwischen den beiden Wappenfiguren.

Die Verbindungsmitglieder treffen sich regelmässig zu geselligen Anlässen, dies ist auch in der Humanitas so. Auch wenn der Stammbetrieb grundsätzlich locker ist, gelten dennoch bestimmte Regeln, an die sich die Anwesenden zu halten haben. So enthalten der (so genannte) „Biercomment“ wie auch der „Farbencomment“, welche auch in anderen Verbindungen üblich sind, Vorschriften für einen geordneten Stammbetrieb und das Tragen der Verbindungsfarben (Mütze, auch „Couleur“ genannt, und Band). An den Stämmen und anderen Verbindungsanlässen der Humanitas führt der Senior den Vorsitz, der den Betrieb leitet und auch für die Einhaltung des Comments sorgt.

Albert Bargetzi v/o Skip, Präsident Volkshochschule Frauenfeld                        

Wenn die Studentenverbindung Humanitas im Kontext zur Volkshochschule Frauenfeld zu erklären ist, muss man etwas über die Geschichte und das Wesen der Volkshochschulen wissen. Nikolai Frederik Severin Grundtvig (1) gilt als der Begründer der ersten Volkshochschule im Jahre 1844. Im Jahr 1919 wurde durch Fritz Wartenweiler das Volksbildungsheim «Nussbaum» an der Staubeggstrasse in Frauenfeld gegründet, das erste dieser Art in der Schweiz und als Folge davon im Jahre 1929 die erste Volkshochschule im Kanton Thurgau in Frauenfeld durch Kantonschullehrer Dr. phil. Theodor von Greyerz. Der Grund für den damaligen Aufbau der Erwachsenenbildung war die Krise von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik in der Zwischenkriegszeit.

(1)         Heute versteht man Erwachsenenbildung als organisierte Form des lebenslangen Lernens. Volkshochschulen stellen dabei einen Beitrag zur Verwirklichung des Rechts auf Bildung und der Chancengerechtigkeit dar. Ihren Bildungsauftrag leiten sie aus den Prinzipien der Aufklärung und den Menschenrechten ab. Die weltweiten gesellschaftlichen Veränderungen zeigen, welche Bedeutung den Volkshochschulen in Zukunft beizumessen sein wird.

Daraus lässt sich ableiten, dass die Volkshochschulen eine wichtige gesellschaftliche Bedeutung für die Bildung und das Lernen haben.

Dass die Volkshochschule eine Studentenverbindung haben soll, ist nicht zwingend notwendig, ebenso wenig wie an einer Mittel- oder Hochschule. Da aber im Zentrum wie oben beschrieben die Aufgabe des lebenslangen Lernens und die Förderung der Geselligkeit und der Zusammenhalt der Mitglieder steht, ist die Existenz eines Vereins in Form einer Studentenverbindung in solchen Institutionen oder Bildungsstätten durchaus sinnvoll, bzw. erwünscht. In diesem Sinne begrüsst die Volkshochschule Frauenfeld die Gründung der wahrscheinlich ersten Volkshochschulverbindung.

Quellen: (1)         Wikipedia - Volkshochschule

 

Nikolai Frederik Severin Grundtvig [ˈgʀondviːʔ] (* 8. September 1783 in Udby (Seeland); † 2. September 1872 in Kopenhagen) – bekannt auch als N. F. S. Grundtvig oder nur Grundtvig – war ein dänischer SchriftstellerDichterPhilosophHistorikerPfarrerPädagoge und Politiker.

International bekannt geworden sind die von Grundtvig begründeten nichtstaatlichen Volkshochschulen in Dänemark, die so genannten folkehøjskoler. Im Jahr 1844 eröffnete Grundtvig in Rødding die erste europäische Heimvolkshochschule, die 1865 infolge des Deutsch-Dänischen Krieges nach Askov verlegt wurde.[4] 1851 folgt die Ryslinge Højskole auf der Insel Fünen, 1856 die Marielyst højskole in Hillerød (heute Grundtvigs Højskole). Mit diesen Gründungen sollte eine Alternative zum staatlichen Erziehungssystem geschaffen werden.

Sein pädagogisches Konzept war das lebendige Wort zwischen Lehrer und Schüler. In Grundtvig-Schulen gibt es keine Noten. Nicht die Lehrer dozieren einen Stoff, sondern sie lernen selbst durch die Fragen der Schüler. All das unter dem Gesichtspunkt der Aufklärung. Grundtvig wollte die Schule des Lebens, lebenslanges Lernen für alle Beteiligten. Die Theorie der Grundtvig-Schule ist in keinem kompakten Kanon niedergeschrieben. Vielmehr wird sie in erster Linie mündlich und vor allem durch die Praxis überliefert.

Diese alternative Schulidee breitete sich weltweit, besonders aber in Skandinavien aus. In Norwegen und Schweden sind die Folkehøgskole bzw. Folkhögskola ein Teil des staatlichen Bildungssystems. Das mehrmonatige gemeinsame Leben und Lernen junger Erwachsener ist verbindendes Element.

Heute ist Grundtvig der Namensgeber eines gleichnamigen EU-Programms, das sich unter dem Sokrates-Programm der Idee des Lebenslangen Lernens widmet. Die Grundtvig-Programme bemühen sich um die Entstehung europäischer Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung.

Quelle Wikipedia

Fritz Wartenweiler (* 20. August 1889 als Friedrich Georg Wartenweiler in KradolfKanton Thurgau; † 20. Juli 1985 in Frauenfeld) war ein Schweizer SchriftstellerPädagoge, Volkserzieher und Förderer der «Education permanente» „Missionar der humanen Vernunft“, Internationalist und Pazifist. Er gilt als Begründer der Erwachsenenbildung in der Schweiz.

Leben und Wirken

Fritz Wartenweiler wuchs als Sohn des Zichorienrösters Eduard Wartenweiler und seiner Frau Hermine geborene Kreis auf. 1896–1900 lebte er bei Grossvater, Onkel und Tante auf dem Bauernhof Asperüti in Neukirch an der Thur. Mit 15 Jahren trat er ins Gymnasium Frauenfeld ein, das er 1909 mit der Matura abschloss. Er studierte Philologie in Berlin (1909–1910) und Philosophie in Kopenhagen (1910–1911). Von 1909 bis 1910 war er Hilfslehrer an der Heimvolkshochschule Ryslinge Folkehøjskole (Zweite Volkshochschule der Welt, gegründet 1851 von Nikolai Frederik Severin Grundtvig) auf der dänischen Insel Fünen.

1912 heiratete er die neun Jahre ältere Elsa Haffter. Er beendete sein Studium in Zürich mit der von Willy Freytag betreuten Dissertation: Ein nordischer Volkserzieher; Die Entwicklung N. F. S. Grundtvigs zum Vater der Volkshochschule und wurde Doktor phil. I, Pädagogik. 1913 war er Lehrer in Wilen TG und unterrichtete an der landwirtschaftlichen Schule. Von 1914 bis 1917 war er Seminardirektor in Solothurn. Während des Ersten Weltkriegs leistete er von 1914 bis 1918 Aktivdienst und machte erste Versuche in der Erwachsenenbildung mit jungen Soldaten.

Nach dem Vorbild der Volkshochschulen in Dänemark gründete Fritz Wartenweiler 1919 das Volksbildungsheim „Nussbaum“ in Frauenfeld und 1935 das Volksbildungsheim Herzberg in Densbüren bei Aarau. 1926 war Wartenweiler Mitgründer des Vereins „Freunde schweizerischer Volksbildungsheime“. Von 1936 bis 1939 führte er Kurse für junge Männer auf der Staffelegg im „Volksbildungsheim Herzberg“ durch. Während des Spanischen Bürgerkriegs (1936–1939) organisierte er Hilfsaktionen für die Kinder und beteiligte sich bei der Aufnahme und Betreuung von Flüchtlingen.

Im Zweiten Weltkrieg leistete Wartenweiler von 1939 bis 1945 Aktivdienst für die Sektion Heer und Haus. Wartenweiler setzte sich in seinen Büchern von 1949 und 1955 mit den internationalen Organisationen der FAO, der WHO und der UNESCO auseinander. 1955 war er im Patronatskomitee des neu gegründeten «Schweizerischen Hilfswerks für aussereuropäische Gebiete» (SHAG), der späteren Helvetas. Seine letzten Lebensjahre verbrachte der Hochbetagte im Altersheim in Frauenfeld.

Quelle Wikipedia

 

Renata Riebli