«Die weitverbreitete Annahme, suizidale Personen seien grundsätzlich nicht von ihrem Vorhaben abzuhalten, widerspricht wissenschaftlichen Erkenntnissen», hält Regierungsrat Urs Martin, Departementschef Finanzen und Soziales fest. «Suizidhandlungen entstehen meist in hochbelastenden Lebenssituationen, in denen Betroffene subjektiv keinen Ausweg mehr sehen. Suizide und Suizidversuche können durch rechtzeitige, evidenzbasierte Massnahmen reduziert werden, weshalb der Kanton Thurgau die Suizidprävention stärken will.»
Mit 13.3 Fällen pro 100'000 Personen im 5-Jahreszeitraum 2019-2023 liege die standardisierte Suizidrate im Kanton Thurgau über dem Schweizer Durchschnitt, führt Claudia Walser vom Amt für Daten und Statistik aus. «Im Zeitraum von 2019-2023 wies der Kanton Thurgau im schweizweiten Vergleich die siebthöchste Suizidrate auf (Schweizerisches Gesundheitsobservatorium, 2025).»
Ziele der Suizidprävention
Seit 2016 existiert ein nationaler Aktionsplan Suizidprävention mit zehn Zielen der den Kantonen eine fachliche Orientierung für die Entwicklung eigener Massnahmen zur Suizidprävention bietet. «Auch der Kanton Thurgau engagiert sich seit vielen Jahren in der Suizidprävention», betont Regierungsrat Urs Martin. «Jedoch fehlte bisher ein koordiniertes, kantonsweites Vorgehen, das alle Altersgruppen berücksichtigt. Diese Lücke schliesst der neue Bericht «Suizidprävention bei erwachsenen und älteren Menschen [1]» im Kanton Thurgau.
Am 6. Januar 2026 hat der Regierungsrat den Bericht verabschiedet und damit die erste Umsetzungsphase für die Jahre 2026-2029 beschlossen. Die Umsetzung ist strategisch und zeitlich auf das neue Kantonale Aktionsprogramm Gesundheitsförderung und Prävention 2026-2029 [2] sowie auf die Strategie Gesundheitsförderung und Prävention Kanton Thurgau 2026-2029 [3] abgestimmt, die eine Stärkung der psychischen Gesundheit und eine Reduktion der Suizidalität zum Ziel hat.
Der Bericht entstand unter der Leitung des Amtes für Gesundheit und unter Einbezug einer Projekt- und Fachgruppe mit Vertretungen aus verschiedenen Bereichen des Gesundheits-, Bau-, Sozial- und Polizeiwesens. «Eine multidisziplinäre Zusammenarbeit ist für eine wirksame Suizidprävention zentral, da viele Massnahmen in den
jeweiligen Zuständigkeitsbereichen der beteiligten Akteure liegen», betont Judith Hübscher Stettler, kantonale Beauftragte für Gesundheitsförderung, Prävention und Sucht vom Amt für Gesundheit.
Der Bericht stützt sich auf eine umfassende Situationsanalyse und zeigt bestehenden Handlungsbedarf sowie konkrete Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Suizidprävention im Kanton Thurgau auf. Die vorgeschlagenen Massnahmen orientieren sich an sechs definierten Handlungsfeldern. Diese reichen von verstärkter Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung der Bevölkerung und zur besseren Bekanntmachung von Hilfsangeboten über Schulungen zur Früherkennung und
Frühintervention bei suizidalen Krisen. Weiter vorgesehen ist die Unterstützung von Hinterbliebenen, unter anderem durch einen Leitfaden, der in der akuten Belastungssituation Orientierung bietet. Ergänzt werden diese Massnahmen durch strukturelle Präventionsansätze, etwa zur Reduktion der Verfügbarkeit suizidaler Mittel.
Zudem wird ein kontinuierliches Monitoring der Suizidalität aufgebaut, um Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und Massnahmen datenbasiert weiterzuentwickeln. Zur besseren Abstimmung der verschiedenen kantonalen Akteure ist ausserdem eine verstärkte Koordination vorgesehen, unter anderem durch ein jährliches Austauschtreffen.
Ebenfalls zu Wort kamen Claudia Gubler vom Verband Thurgauer Gemeinden (Ressort Gesundheit) sowie Ivan Trajkov von der katholischen Landeskirche Thurgau, Mitglied der Projektgruppe, die Einblicke aus ihren jeweiligen Wirkungsbereichen gaben.
Wer betroffen ist oder eine Person im Umfeld kennt, die Unterstützung braucht, findet hier Hilfe:
* Pro Juventute für Kinder und Jugendliche. Telefon und SMS 147, online www.147.ch [4]
* Dargebotene Hand/Sorgentelefon für Erwachsene. Telefon und SMS 143, online www.143.ch [5]
* Weitere Informationen und Adressen: reden-kann-retten.ch [6]